Sehenswert

SEHENS-WERT & SEHENS-WÜRDIG IM KÖLNER SÜDEN

>> Beides liegt im Auge des Betrachters. Wir stellen vor, geben Anregungen und versuchen zu verführen – zu einem Spaziergang mit Friends & Family oder zu stiller Betrachtung.

Ab auf’s Schiff!

Was haben wir in Rodenkirchen, was es sonst in keinem anderen Veedel gibt? Nun, natürlich einiges. Aber vor allem lieben wir unsere Bootshäuser. Ob zum Abhängen, quatschen, chillen oder feiern. Im Sommer gibt es kaum etwas Besseres, als bei einer kühlen Brise um die Nase mit Blick auf den Rhein ein kühles Getränk zu genießen. Von A wie Albatros oder Alte Liebe über die MS Rodenkirchen bis nach Sürth – wir präsentieren unsere schwimmenden Restaurantschiffe. Entscheidet selbst, welches Euer Lieblingsschiff ist.

Ganz weit draussen vor Anker: Die MS Rodenkirchen am Rodenkirchener Leinpfad

Helmut Ammel und seine Ehefrau Elena Shlikhenmayer leben und arbeiten dort, wo andere Urlaub machen: Auf der MS Rodenkirchen, einem ehemaligen Braunkohleschlepper. Bei den beiden wird gepflegt geduzt – das schätzen die vielen Stammgäste, die sich am liebsten am Stammtisch oder auf der Terrasse niederlassen, wenn sie den 65 Meter langen Bootssteg überwunden haben. Dafür ist die MS auch das Schiff, das definitiv am weitesten auf dem Rhein liegt. Die vorbeifahrenden Schiffe kommen ganz nah, manchmal zu nah! Den einen oder anderen Schaden hätte es schonmal gegeben, meint Bootsmann Helmut. Wer auf der Terrasse sitzt, kann auf jeden Fall die Schiffe auf Tuchfühlung genießen und am späten Abend Richtung Innenstadt gewendet, dazu auch noch den Sonnenuntergang. Mehr Urlaub geht nicht. 

Kulinarisch ist es bei Helmut und Elena eher bodenständig. Beliebt sind vor allem die verschiedenen Schnitzelvariationen. Dazu gibt es scharfe Soße oder eine mit Champignons und dazu natürlich Pommes und Salat. Für viele Besucher ist das Schiff wie ein zweites Wohnzimmer. 

Es wird viel gefeiert und gelacht. Und viel Wodka getrunken. Das gehört sich für Russin Elena so, auch wenn der Wodka mittlerweile aus Polen kommt.

 

Das Interieur? 

Ist eher rustikal. Vor 27 Jahren hat Ammel die Gastronomie übernommen, die seit 1964 genau an gleicher Stelle vor Anker liegt. Das meiste im Inneren wurde belassen, hier und da etwas umgebaut. Den hinteren Saal, der zum Feiern genutzt wird, schmückt ein originelles Piratenbild. Einen Sturm 2019 nutzten die beiden, um das Dach ein Stück anzuheben und neue Fenster einzusetzen. Das Innere wirkt damit jetzt definitiv freundlicher. Aber so ein paar alte Schmuckstücke, wie ein alter Kompass oder die Kette an der Bar – das muss auf jeden Fall bleiben.

 

Und die Preise? 

Schnitzel gibt es ab 13,90 Euro. Ausserdem gibt es eine kleine Auswahl an Fisch oder Salaten wie den Bootshaus-Salat mit Thunfisch (11,40 Euro), Nudeln und diverse Folienkartoffeln. Kleine Brauhausgerichte wie Leberkäse, halver Hahn oder ein strammer Max kosten unter zehn Euro. Das Kölsch ist mit 1,80 Euro unschlagbar günstig und der kleine Wodka kostet 2 Euro. Aber wer hält sich schon mit einem 2cl-Glas auf? 

Öffnungszeiten: 

Täglich ist geöffnet, am Wochenende ab 12 Uhr, in der Woche ab 15 bis 23 Uhr. 

MS Rodenkirchen

Rodenkirchener Leinpfad

0221 395184

Drei Stolpersteine zum Gedenken

An 14 Orten wurden Mitte März in Köln insgesamt 39 neue Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt, drei davon in Rodenkirchen. Stolpersteine sind kleine Denkmale für Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus unterschiedlichen Gründen verfolgt wurden. Sie werden vor den ehemaligen Wohnhäusern verlegt, in denen die Menschen vor ihrer Flucht oder Verhaftung lebten. Damit erinnern sie individuell an das Schicksal der Verfolgten und werfen gleichzeitig Fragen nach Täter- und Mittäterschaft auf. In Rodenkirchen liegen zwei Stolpersteine jetzt sehr präsent an der Uferstraße 30 vor der backsteinroten Villa des Ehepaars Isay. Das schmiedeeiserne Tor trägt die Initialen „A&I“ für Adolf Isay. Hier wohnte er mit seiner Frau Theresia vor und nach dem zweiten Weltkrieg.

Theresia und Adolf Isay überlebten den Holocaust dank der Hilfe von Menschen, die sie versteckten, unterstützten und ihnen damit das Leben retteten. Theresia Isay kam 1880 in Wien in einer christlichen Familie als Theresia Liederer zur Welt. Adolf Isay, 1875 in Köln geboren, stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Kaufmannsfamilie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das „Geschäft für Trikot und Strumpfwaren der Brüder Isay“ 1933 in die „Wistri Gesellschaft für deutsche Wirk- und Strickwaren GmbH“ umgewandelt und wenig später unter Wert verkauft. Allein der Einsatz seiner Ehefrau bewahrte ihn vor einer Deportation in das Konzentrationslager Dachau. Nur wenige Tage später drohte man ihm mit der Enteignung seines Hauses in der Uferstraße. Er verkaufte das Gebäude daraufhin an seinen Neffen Franz Weiss, und das Ehepaar zog an den Bayenthalgürtel 43. Die letzten Monate bis zur Befreiung Kölns am 6. März 1945 verbrachten Adolf und Theresia Isay in getrennten Verstecken, sahen sich jedoch täglich. Nach Ende des Krieges zog das Ehepaar zurück in das Haus in Rodenkirchen. Theresia Isay starb am 10. September 1953, Adolf Isay am 14. Mai 1956.

Keine Verdichtung im Auenviertel in Rodenkirchen

Das Rodenkirchener Auenviertel ist mit seiner teilweise extravaganten Architektur und in seiner durchgrünten Geschlossenheit ein außergewöhnliches und in Köln nahezu einzigartiges Wohn-Quartier. Der Gang durch die stillen Straßen des Viertels wird immer wieder neu belohnt durch den Blick auf ein architektonisches Highlight oder in einen verwunschenen Garten. Seit geraumer Zeit beobachtet die Bürgervereinigung Rodenkirchen mit großer Sorge, dass das historisch gewachsene Wohnbauviertel durch die zunehmende Teilung von Grundstücken einem Wandel unterliegt. Diese schleichende städtebauliche Verdichtung des gewachsenen Wohn-Quartiers zwischen Barbarastraße und Grüngürtel, Weißer Straße und Uferstraße drohte, das erhaltenswerte & historisch wertvolle Ambiente des Auenviertels zu zerstören. Die Bürgervereinigung Rodenkirchen hat sich in besonderem Maße für die Erhaltung der Wohn- und Lebensqualität ihres Ortes engagiert: Das komplette Auenviertel muss sein einmaliges Flair behalten, es darf nicht durch Teilung der Grundstücke zugebaut werden! Deshalb ist die Bürgervereinigung Rodenkirchen erfreut, dass die Stadtverwaltung einen neuen Bebauungsplan entworfen hat, der hilft, die Nachverdichtung durch Teilung großer Grundstücke und Hinterland-Bebauung zu verhindern und dadurch die besondere Struktur des Auenviertels zu erhalten.

Das römische Rodenkirchen

Ein römisches Dorf Rodenkirchen ist zwar nicht verifiziert, man mutmaßt aber, dass aus der Zeit, als auf Betreiben Agrippinas Köln die Rechte einer Bürgerkolonie erhielt, Rodenkirchen eine mögliche Station war, die Schiffe wieder den Rhein herunter zu treideln. Auch die Schillingsrotterstraße und die Trasse der heutigen Wilhelmstraße sind aktenkundig 2000 Jahre alte römische Landstraßen. In der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts nach Christus lebten bereits geschätzte 25.000 bis 40.000 Einwohner in der Bürgerkolonie. „Luxusgüter für die Insbesondere bei den täglichen Gütern kommt Rodenkirchen ins Spiel, denn hier wurden Nahrungsmittel angebaut und die Römer liebten vor allem Zwiebeln. So entstanden in Rodenkirchen so genannte „villae rusticae“, die von ehemaligen Wehrbediensteten betrieben wurden. Und auf diese ausgedehnten landwirtschaftlichen Betriebe gehen die Funde zurück.

 

Was man uns in Rodenkirchen auf jeden Fall nachsagen kann, ist dass wir fleißige Fundmelder sind. Das sagte zumindest einmal Cornelius Steckner, unser Rodenkirchener Historiker.

 

Ein vermeintlich wertvoller Knochenfund stellte sich nach Expertise als eine Knochensammlung einer „schwarz geschlachteten Kuh“ im zweiten Weltkrieg heraus. An anderer Stelle wurde im September 1923 ein Steinkistensarg gefunden. Auch da erlebten die aufgeregten Finder eine herbe Enttäuschung, der Sarg war in Hälften unterteilt. Die eine enthielt die Asche des Verstorbenen, die andere Hälfte war mit Glas, einer Glasflasche, Spielsteinen, Federkielen und drei Münzen versehen. Die bestattete Person wollte offensichtlich ihre Belesenheit untermauern, ein wertvoller Fund war es allerdings nicht.

 

Es wurde aber auch eine Schale an der Nemeterstraße gefunden. Am 13. August 1942 kam ein ganzer grob behauener Sarkophag zum Vorschein, das Grab einer Frau. In der Sargmitte lag eine Glasschale, auf der die Legende der Götter Apollo und Marsius eingeschliffen ist. Dem Grab waren überdies einige Beigaben zugefügt, wie Hacke, Gabel, Beil, Sense und weitere Exponate wie kleine Frösche aus Bronze. Historiker wissen: Das sind Gegenstände, die ausschließlich in Frauengräbern zu finden sind, wahrscheinlich um irgendeine Göttin zu besänftigen. Da Rodenkirchen 1942 allerdings noch nicht eingemeindet war, wurde der Fund zwar dokumentiert, die Exponate allerdings fielen dem Umland Bonn zu und sind dort im LVR Landesmuseum ausgestellt.

 

Weitere bedeutende Funde sind insbesondere dem Kölner Unternehmer Ernst Reimbold zu verdanken, der ein leidenschaftlicher Sammler war. 1913 bot er drei Armbänder zum Verkauf an. Zwei davon sind so genannte Buckelarmbänder, die eine schlanke Römerin am Oberarm trug – sie wurden angeblich bei Ausgrabungen einer Tongrube an der Schillingsrotter Straße gefunden. Zumindest hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die wertvollen Buckelarmbänder aus Rodenkirchen sind.

 

Weitere Gräber aus Rodenkirchen sind dokumentiert, wie etwa 1938 drei Scherben aus Rodenkirchen. Auch an der Hauptstrasse, Ecke Walter-Rathenau-Strasse wurde ein Grabstein gefunden, der eine typische Familienszene aufweist. Aber nicht nur die römische Geschichte Rodenkirchens ist interessant, sondern auch die Fränkische. Aber die erzählen wir ein anderes Mal.