Das eigene Wohnumfeld mit anderen Augen sehen
„Oh, schau mal“ oder „Das ist mir vorher ja noch nie aufgefallen“ waren Sätze, die Ihnen vielleicht auch zu Ohren gekommen sind – oder die Sie sogar selbst ausgesprochen haben.
Jedes Veedel besitzt Straßen, Plätze oder Ecken, wo etwa Historisches erhalten ist oder die Geschichten aus der Vergangenheit erzählen könnten. Eine Figur über eine Haustür, eine Jahreszahl des Baujahrs oder ästhetische Verzierungen sind häufig Relikte einer Historie, die die Betrachter zu Vermutungen animieren oder in eine frühere Zeitepoche zurückversetzen können.
Neben geschichtlichen Gebäuden oder spannenden Straßennamen, deren Herkunft ebenfalls zu Gedankenspielen anregt, verfügen viele Veedel aber auch über herrliche Grünanlagen und Wanderwege, die unbedingt erforscht werden sollten. Gehen Sie daher raus und schauen Sie sich um in Ihrem Veedel. Sie werden bestimmt Schönes und eventuell auch Neues entdecken! Einige Tipps haben wir Ihnen hier zusammengestellt. Texte und Fotos: Redaktionsbüro Holger Hoeck (hoeck@redaktion-hoeck.de)
Der Stadtteil Riehl ist bekanntlich mit vielen historischen Gebäuden gesegnet. Ein besonderes, zudem unter Denkmalschutz stehendes Haus befindet sich nicht weit weg vom Skulpturenpark, besser gesagt: zwischen Oppenheimer und Elsa-Brändström-Straße. Hier steht die ehemalige „Villa Zapf“, die für den Industriellen Dr. Georg Zapf nach Plänen des Architekten Hermann von Berg im Jahr 1924 erbaut wurde. Zapf war der langjährige Generaldirektor der Firma Felten & Guillaume, die sich seinerzeit als weltweit tätiges und bedeutendes Unternehmen für Kabel- und Drahtseilherstellung einen Namen gemacht hatte.
Wie viele wohlhabende Unternehmer wählte auch Zapf für sein Domizil einen Platz in unmittelbarer Nähe zum Rhein, obwohl sein Unternehmen auf der anderen Seite der Mülheimer Brücke, eben in Mülheim, angesiedelt war. Um einen tollen Blick auf den Rhein zu haben, wurden Zapfs Wohnräume extra in den ersten Stock platziert. Ferner ließ er das Villenareal aufschütten.
Das Gebäude verbindet die Villenarchitektur der Weimarer Republik mit dem rheinischen Backsteinstil und ist daher ein beeindruckendes Zeitmonument des sogenannten rheinischen Expressionismus der 1920er Jahre.
Seit mehreren Jahren wird das Gebäude indes von der Maarif Europe gGmbH genutzt, einer höchst umstrittenen Stiftung, die die Aufgabe haben soll, weltweit die Kontrolle über die Gülen-Schulen im Ausland zu übernehmen. Die Befürchtung lautet, dass die Türkei über die Schulen ideologischen Einfluss auf Schüler mit Migrationshintergrund nehmen könnte und somit Integration verhindert. Ob an den Vorwürfen etwas dran ist, muss indes von anderer Stelle entschieden werden.
(Text teilweise in Anlehnung an „Kölschgänger“)
Wer mit der Straßenbahnlinie 3 durch Buchforst fährt, wird zwischen den Haltestellen „Waldecker Straße“ und „Stegerwaldsiedlung“ bestimmt schon mal das riesige Kunstwerk an einer Hauswand der Straße „Im Bischofsacker“ gesehen und bestaunt haben. „Buchforst 3000“ haben die Graffiti-Künstler Frank Zappel und Marcus Knautsch ihr Werk genannt, das seit mehreren Jahren die Seitenwand des Häuserkomplexes der Nummern 12 und 14 (zur Karlsruher Straße) ziert. „Frank hat sich um den oberen Teil des Bildes gekümmert, das den Sieg der Technik über die Natur zeigt“, sagt Marcus Knautsch, eine Hälfte des Künstlerkollektivs „Zappel & Knautsch“. Drohnen und Hubschrauber schwirren dort zwischen Hochhäusern, Bäume wachsen nur noch auf Dächern, und ein Schnellzug rast über die Buchforster ICE-Brücke. Doch im unteren Bereich des Kunstwerkes revanchiert sich die Natur. Urwaldhütten ragen aus dem Asphalt, Tauben fahren auf Rollschuhen über verwaiste Straßen, und Ureinwohner eines Stammes sitzen auf Palmen und rauchen Friedenspfeife. „Wir haben bewusst viele Objekte des Stadtteils und aus der Umgebung eingebaut“, erläutert Frank Zappel. „Beim Suchen entdeckt man etwa die Auferstehungskirche, den Hubschrauber-Landeplatz oder den Kalker Wasserturm.“ Natürlich fehlt auch nicht das Kölner Trifolium aus Dom, Arena und Fernsehturm. Weniger als zwei Wochen benötigten die Künstler für die Realisierung ihres Projekts, das GAG-Verantwortliche aus drei Entwürfen ausgewählt hatten. „Eine Hauswand zu gestalten, ist schon etwas Besonderes“, ergänzt Zappel. „Die Ecke wurde von der GAG gut ausgewählt. Die Wohngegend ist leider sehr grau. Hier könnte man noch viel mehr machen.“
Wie den meisten Kölnern bekannt ist, steht der Stadtteil Marienburg für Reichtum, noble Villen und viele Promis, die sich hier niedergelassen haben.
Für eine Auszeit vom Alltag lohnt sich unabhängig vom Inhalt des Portemonnaies ein Besuch des unter Denkmalschutz stehenden Südparks, der zwischen 1898 und 1901 an den heutigen Straßen „Am Südpark“ und „Leyboldstraße“ angelegt wurde, Mit einer Fläche von 4,65 Hektar ist er eine der kleinsten Grünanlagen der Stadt, genießt bei den Besuchern nicht nur wegen seines Kiefernwaldes indes einen guten Status und zählt nicht nur für sie zu den schönsten Parks im Kölner Süden. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die großzügige Liegewiese, und auch der Spielplatz, der mit Spenden der Marienburger Bevölkerung erneuert wurde, ist an den Wochenenden oft prächtig besucht. Obwohl rund um den Park Straßen verlaufen, hat man dort dennoch seine Ruhe.
Bis vor einiger Zeit befand sich im Park auch noch „der Panther“, eine 1920 vom Bildhauer Fritz Behn geschaffene Skulptur eines in Bronze gegossenen Panthers, der ebenfalls als Teil des Südparks unter Denkmalschutz stand. Dieser ist indes verschwunden – aber nicht, wie man heutzutage denken könnte, wegen Beschwerden von Anwohnern oder Besuchern, sondern schlicht wegen Diebstahl. Bronze ist halt wertvoll und bringt Geld. So verschwindet ein Stück Historie einfach so wegen der Raffgier einiger Bürger. Traurig… Stattdessen hebt nun ein Hund seinen Blick gen Himmel vom Sockel, der immer noch die Bezeichnung „Panther um 1920“ trägt.
Huch, jetzt sind wir ja schon wieder am Lenauplatz in Neuehrenfeld. Und ja: Hier waren wir schon vor einiger Zeit, als wir uns auf dieser Webseite der Büdchen-Kultur Kölns genähert und hierbei einige Kioske vorgestellt hatten.
Jetzt kehren wir also zurück und widmen uns nun allerdings dem „Max- & und Moritz-Brunnen“, der sich ebenfalls auf dem nach dem österreichischen Schriftsteller der Spätromantik Nikolaus Lenau benannten Platz und nur wenige Meter vom Büdchen befindet. Rund 1,50 Meter misst der Max-und-Moritz-Brunnen mit seiner vom Kölner Bildhauer Franz Heinrich „Hein“ Derichsweiler (1897-1972) geschaffenen Brunnenplastik aus Eisenguss, die eine Stiftung der Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld ist und am 23. Juli 1960 durch den damaligen Oberbürgermeister Theodor Burauen eingeweiht wurde. Die beiden Lausbuben, deren Erlebnisse im Jahre 1865 erstmals als „Bubengeschichte in sieben Streichen“ des Dichters und Zeichners Wilhelm Busch (1832-1908) veröffentlicht wurden und bis heute berühmt sind, üben sich auf dem Brunnen im Bockspringen. Beide ahnen bei ihrem vergnügten Spiel indes noch nichts von ihrem bösen Ende, das die Opfer ihrer üblen Streiche keineswegs bedauerten. Im Gegenteil: Sie frohlocken vielmehr, was sich im Spruch „Gott sei Dank! Nun ist´s vorbei / Mit der Übeltäterei!!“ widerspiegelt.
Da der Brunnen gerne von spielenden Kindern genutzt wird und einige Steine jedoch im Laufe der Zeit locker wurden, musste er vor einigen Jahren überholt werden. Auch dieser Austausch diverser Steine wurde von der Bürgervereinigung in Angriff genommen. Und so stehen die beiden Lausbuben weiter fröhlich auf dem Lenauplatz und laden zum Bestaunen, etwa während der Mittagspause, oder zum Bespielen ein.
VEEDELLIEBEN e.V.
Verbund der Kölner Interessengemeinschaften
Hauptstraße 94
50996 Köln