> Die Corona-Pandemie hat es an den Tag gebracht: Spaziergänge durch das eigene Wohnveedel sind nicht nur erholsam und bringen Abwechslung, sondern können bisweilen auch völlig neue Einblicke in die individuelle Umgebung vermitteln.

Entdecke dein veedel

Das eigene Wohnumfeld mit anderen Augen sehen

 

„Oh, schau mal“ oder „Das ist mir vorher ja noch nie aufgefallen“ waren Sätze, die Ihnen vielleicht auch zu Ohren gekommen sind – oder die Sie sogar selbst ausgesprochen haben.

Jedes Veedel besitzt Straßen, Plätze oder Ecken, wo etwa Historisches erhalten ist oder die Geschichten aus der Vergangenheit erzählen könnten. Eine Figur über eine Haustür, eine Jahreszahl des Baujahrs oder ästhetische Verzierungen sind häufig Relikte einer Historie, die die Betrachter zu Vermutungen animieren oder in eine frühere Zeitepoche zurückversetzen können.

Neben geschichtlichen Gebäuden oder spannenden Straßennamen, deren Herkunft ebenfalls zu Gedankenspielen anregt, verfügen viele Veedel aber auch über herrliche Grünanlagen und Wanderwege, die unbedingt erforscht werden sollten. Gehen Sie daher raus und schauen Sie sich um in Ihrem Veedel. Sie werden bestimmt Schönes und eventuell auch Neues entdecken! Einige Tipps haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

Kölner Norden

Alter Flughafen Butzweilerhof

Eine Reise in die Kölner Vergangenheit können Besucher des ehemaligen ersten Kölner Flughafens, dem Butzweilerhof in Ossendorf, machen. Von 1911 bis 1995 starteten und landeten hier Flugzeuge, und zum Glück sind bis heute historische Gebäude wie etwa die Empfangshalle erhalten geblieben. Lange Zeit wurde der Flughafen militärisch genutzt, doch auch Segelflieger wurden hier gesichtet, insbesondere 1960 anlässlich der Weltmeisterschaft im Segelfliegen. Nachdem Regierungspräsident Antwerpes 1980 das Aus für den Flughafen verkündete, sah er bis zum Auszug der belgischen Heeresflieger (August 1995) und der Bundeswehr (Ende 1995) noch außergewöhnliche Veranstaltungen, darunter etwa eine Messe von Papst Johannes Paul II. vor 380.000 Besuchern (1980) und ein Konzert der Rock-Band U2; für vier Jahre war der Butzweilerhof zudem Heimat des Bizarre-Festivals (1996-1999). Heute dient das Gelände überwiegend als Gewerbefläche; rund 400 Unternehmen mit rund 12.000 Mitarbeitern haben in Ossendorf eine Heimat gefunden.

Kölner Osten

Thurner Hof (Mielenforster Str. 1)
Der Thurner Hof ist ein ehemaliges Rittergut in Köln-Dellbrück, das bereits im 16. Jahrhundert urkundlich Erwähnung fand. Auf dem 7200 qm großen Gelände mit seinen historischen Gebäuden ist 1988 der VHS-Biogarten, Kölns somit ältester Gemeinschaftsgarten, entstanden, dessen Mittelpunkt ein ca. 400 qm großer Bauerngarten darstellt. Als Ergebnis verschiedener Semesterprojekte sind seitdem eine Kompostanlage, verschiedene Anzuchtbeete, eine Streuobstwiese mit Bienenhaus und durch die Wiederbewässerung des Wehrgrabens eine naturnah gestaltete Teichanlage mit Trockenmauer entstanden. Still ist es hingegen weiterhin im zum Gutshof-Gelände gehörenden einstigen Herrenhaus, das bis 2003 von der VHS und von Dellbrücker Vereinen genutzt wurde und dem Heimatverein als Archiv diente. Seit vielen Jahren wünscht sich der „Verein der Freunde und Förderer Biogarten Thurner Hof“ (VFF) die Wiederbelebung des Gebäudes, das seit 2008 entkernt und anschließend in mehreren Jahren aufwändig instandgesetzt wurde.

Kölner süden

Hänneschen-Brunnen (Im Dau 7)
Ein kleines Juwel historischer Besonderheit steht in der Straße „Im Dau“, in der Nähe des Narrenschiff-Brunnens von Karl Berbuer. 1914 vom Bildhauer Simon Kirschbaum erbaut, soll der Hänneschen-Brunnen an die Witwe Magdalena Klotz, die Enkelin des Gründers des Hänneschen-Theaters, erinnern. Der Brunnen besitzt eine Höhe von rund vier Metern und weist einen barockartigen Pfeiler mit einem Wasserbecken auf einer Seite auf. Auf dem unteren Teil befindet sich eine Eule, die als Wasserausguss fungieren soll. Am Brunnen finden sich zudem Kränze, Füllhörner und Muscheln als Pfeilerabschluss sowie ein Pumpschwengel, der Wasser dem Brunnen zuführen sollte. Am oberen Ende wurde der Namensgeber platziert. Dieser Brunnen ist der beste Beweis, dass es sich lohnt, stets mit offenen Augen und einer gewissen Neugierde durch Köln zu gehen.

Kölner Westen

Tor mit Goldenem Stein (Akazienweg)

Kennen Sie das auch? Tagtäglich nutzt man die gleiche Haltestelle, doch nimmt die Besonderheit der Zu- und Ausstiegsstelle gar nicht mehr wahr. So ähnlich geht es vielleicht Personen an der U-Bahn-Haltestelle „Akazienweg“, deren Eingang auf der Venloer Straße ein Torbogen mit einem großen, goldfarbenen Stein, gestaltet von Künstler Heinz Brummack, bildet. Zwei Texte befinden sich auf dem Bogen – zum einen „IANVA IVDICII“ (Tor der Gesetzmäßigkeit) und zum anderen „VIATORI ILLEGALI“ (dem unrechtmäßig Reisenden). Kunstfreunde und Bürger mutmaßen, dass der Stein den Fahrgast vor der Tat des Schwarzfahrens abhalten soll – sozusagen als Symbol einer drohenden Bestrafung. Zusätzlich hat Walter Kremp, ehemals Schulleiter der katholischen Grundschule Erlenweg, an einem Haus unmittelbar neben dem Tor mit einer Schulklasse in einer Aktion eine Tafel angebracht, die den Sinn des Kunstobjekts auch nochmal erklärt.