> Die Corona-Pandemie hat es an den Tag gebracht: Spaziergänge durch das eigene Wohnveedel sind nicht nur erholsam und bringen Abwechslung, sondern können bisweilen auch völlig neue Einblicke in die individuelle Umgebung vermitteln.

Entdecke dein veedel

Das eigene Wohnumfeld mit anderen Augen sehen

 

„Oh, schau mal“ oder „Das ist mir vorher ja noch nie aufgefallen“ waren Sätze, die Ihnen vielleicht auch zu Ohren gekommen sind – oder die Sie sogar selbst ausgesprochen haben.

Jedes Veedel besitzt Straßen, Plätze oder Ecken, wo etwa Historisches erhalten ist oder die Geschichten aus der Vergangenheit erzählen könnten. Eine Figur über eine Haustür, eine Jahreszahl des Baujahrs oder ästhetische Verzierungen sind häufig Relikte einer Historie, die die Betrachter zu Vermutungen animieren oder in eine frühere Zeitepoche zurückversetzen können.

Neben geschichtlichen Gebäuden oder spannenden Straßennamen, deren Herkunft ebenfalls zu Gedankenspielen anregt, verfügen viele Veedel aber auch über herrliche Grünanlagen und Wanderwege, die unbedingt erforscht werden sollten. Gehen Sie daher raus und schauen Sie sich um in Ihrem Veedel. Sie werden bestimmt Schönes und eventuell auch Neues entdecken! Einige Tipps haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

Kölner Norden

Stadion „Weidenpescher Park“ (Rennbahnstraße)

An dieser Stelle wird’s fußballhistorisch. Wer sich von der Rennbahnstraße in Weidenpesch Richtung Tribüne der Pferderennbahn aufmacht, kann rechterhand (noch?) ein Monument Kölner Fußballhistorie entdecken, das seit vielen Jahren auf die Erlösung wartet, endlich aus dem Dornröschenschlaf in Form einer sportlichen Wiederbelebung wach geküsst zu werden. Gitterzäune versperren seit Jahren den Zugang zum einstigen „Stadion Weidenpescher Park“, auf dem Kölns ältester Fußballverein VfL Köln 1899 (gegründet als Internationaler Fußball-Club Cöln, später Kölner FC 1899) bis 2002 zu Hause war. Immerhin erlaubt das Gatter einen Blick auf das 1968 von Rasen in Asche umgewandelte Spielfeld sowie insbesondere auf die im Stadion-Eröffnungsjahr 1920 erbaute und seit 1989 unter Denkmalschutz stehende alte Tribüne. Bis zu 16.000 Zuschauer fasste einst die Heimstätte des VfL, der mit dem Halbfinaleinzug um die Deutsche Meisterschaft 1941 (1:4 gegen Schalke in Düsseldorf) seinen größten sportlichen Erfolg erzielte und inzwischen nach einer Fusion mit dem FSV Köln-Nord im 1. FSV Köln 1899 aufgegangen ist. Bereits ab 1903 durfte Kölns Pionierverein das vom Rennverein überlassene Areal bespielen, zu dem seinerzeit auch ein B- und C-Platz gehörten und das in der Frühzeit des deutschen Fußballs sogar zweimal Schauplatz der Endspiele um die Deutsche Meisterschaft war (1905 Union 92 Berlin – Karlsruher FV 2:0; 1910 Karlsruher FV – Holstein Kiel 1:0 n.V.). Nachdem der Verein seine Heimat nach 99 (!) Jahren verlassen hatte, nutzte Regisseur Sönke Wortmann die Traditionsstätte für zweimonatige Dreharbeiten zum Kinofilm „Das Wunder von Bern“. Seit 2019 versucht die Initiative „Altes Stadion“, Eigentümer (Stadt) und Pächter (Rennverein) von der sinnvollen Sanierung des fußballhistorischen Juwels zu überzeugen. Bisher leider erfolglos.

Kölner Norden

Alter Flughafen Butzweilerhof

Eine Reise in die Kölner Vergangenheit können Besucher des ehemaligen ersten Kölner Flughafens, dem Butzweilerhof in Ossendorf, machen. Von 1911 bis 1995 starteten und landeten hier Flugzeuge, und zum Glück sind bis heute historische Gebäude wie etwa die Empfangshalle erhalten geblieben. Lange Zeit wurde der Flughafen militärisch genutzt, doch auch Segelflieger wurden hier gesichtet, insbesondere 1960 anlässlich der Weltmeisterschaft im Segelfliegen. Nachdem Regierungspräsident Antwerpes 1980 das Aus für den Flughafen verkündete, sah er bis zum Auszug der belgischen Heeresflieger (August 1995) und der Bundeswehr (Ende 1995) noch außergewöhnliche Veranstaltungen, darunter etwa eine Messe von Papst Johannes Paul II. vor 380.000 Besuchern (1980) und ein Konzert der Rock-Band U2; für vier Jahre war der Butzweilerhof zudem Heimat des Bizarre-Festivals (1996-1999). Heute dient das Gelände überwiegend als Gewerbefläche; rund 400 Unternehmen mit rund 12.000 Mitarbeitern haben in Ossendorf eine Heimat gefunden.

Kölner Osten

Kalker Stadtgarten (Kalker Hauptsraße)

Ein Kleinod mitten im Veedel ist der Stadtgarten in Kalk gleich am Ausgang der Bahn-Haltestelle Kalk Kapelle. Er ist zugegebenermaßen nicht sehr groß und daher überschaubar, aber dennoch strahlt er einen ganz besonderen Charme aus. Zwar werden sich kaum auswärtige Besucher auf den Weg zum Park machen, aber das macht auch nichts. Denn gerade die Leute aus dem Veedel schätzen „ihren“ Garten, der für sie Abwechslung bietet und oft eine Oase der Ruhe und stillen Einkehr darstellt. Zwei Jahre nach der Eingemeindung Kalks zu Köln entwarf der seinerzeitige städtische Gartenbaudirektor Fritz Encke im Jahr 1912 den Stadtgarten, wofür er die ehemalige Gartenwirtschaft Heukeshoven nutzen konnte. Der kleine Park besitzt angenehme, sympathische Ecken, Bänke unter Bäumen, eine reizende kleine Skulptur „Knabe mit Schildkröten“, einen Brunnen und einen Mammutbaum. Im hinteren Bereich des Stadtgartens kommen auch die kleinen Gäste auf ihre Kosten, für die es einen Spielplatz mit Holzklettergerüst gibt. Betreten kann man den Park nur von der Kalker Hauptstraße durch attraktiv gestaltete Eingänge. Da der Garten abends abgeschlossen wird, zeigt er sich seinen Gästen stets von seiner schönsten Seite.

Kölner Osten

Thurner Hof (Mielenforster Str. 1)
Der Thurner Hof ist ein ehemaliges Rittergut in Köln-Dellbrück, das bereits im 16. Jahrhundert urkundlich Erwähnung fand. Auf dem 7200 qm großen Gelände mit seinen historischen Gebäuden ist 1988 der VHS-Biogarten, Kölns somit ältester Gemeinschaftsgarten, entstanden, dessen Mittelpunkt ein ca. 400 qm großer Bauerngarten darstellt. Als Ergebnis verschiedener Semesterprojekte sind seitdem eine Kompostanlage, verschiedene Anzuchtbeete, eine Streuobstwiese mit Bienenhaus und durch die Wiederbewässerung des Wehrgrabens eine naturnah gestaltete Teichanlage mit Trockenmauer entstanden. Still ist es hingegen weiterhin im zum Gutshof-Gelände gehörenden einstigen Herrenhaus, das bis 2003 von der VHS und von Dellbrücker Vereinen genutzt wurde und dem Heimatverein als Archiv diente. Seit vielen Jahren wünscht sich der „Verein der Freunde und Förderer Biogarten Thurner Hof“ (VFF) die Wiederbelebung des Gebäudes, das seit 2008 entkernt und anschließend in mehreren Jahren aufwändig instandgesetzt wurde.

Kölner süden

Schwungräder der Fa. Stollwerck (Annostraße)

Wer einen Spaziergang durch die Südstadt, genauer gesagt durch die Annostraße, unternimmt, wundert sich vielleicht über die plötzlich erscheinenden überdimensionalen Stahlräder. Ein Industriedenkmal mitten im Veedel. Wahrlich etwas Besonderes. Was die wenigsten wissen: Bei diesem historischen Denkmal handelt es sich um die letzten Schwungräder der Schokoladenfabrik Stollwerck, die seinerzeit Kompressoren betrieben, die wiederum für die Kühlung der frisch zubereiteten heißen und demnach noch flüssigen Schokolade sorgten. Eine Hinweistafel sorgt für weitere Aufklärung, die besagt: „Im Jahre 1839 begann die Firma Stollwerck auf diesem Gelände Schokoladenriegel herzustellen. Ein wichtiger Bestandteil des Herstellungsverfahrens war die Kühlung der Schokoladenmasse. Hierzu wurden Kompressoren verwendet, welche über diese Schwungräder angetrieben wurden. Alle hier sichtbaren Maschinenteile gehörten zur Kühlanlage. Im Dezember 1975 verlegte die Firma Stollwerck ihren Standort nach Köln-Porz“. In unmittelbarer Nähe befinden sich zudem die Reste eines Schornsteins, der ebenfalls zur Fabrik gehörte. Diese ist längst Geschichte und wurde in Wohnungen umgewandelt, doch sind die alten Gemäuer noch deutlich zu erkennen. Wer Zeit hat und seiner Phantasie etwas freien Lauf lässt, kann sich vielleicht zurückversetzen in die Zeit der laufenden Schwungräder und dem Duft von Schokolade.

Kölner süden

Hänneschen-Brunnen (Im Dau 7)
Ein kleines Juwel historischer Besonderheit steht in der Straße „Im Dau“, in der Nähe des Narrenschiff-Brunnens von Karl Berbuer. 1914 vom Bildhauer Simon Kirschbaum erbaut, soll der Hänneschen-Brunnen an die Witwe Magdalena Klotz, die Enkelin des Gründers des Hänneschen-Theaters, erinnern. Der Brunnen besitzt eine Höhe von rund vier Metern und weist einen barockartigen Pfeiler mit einem Wasserbecken auf einer Seite auf. Auf dem unteren Teil befindet sich eine Eule, die als Wasserausguss fungieren soll. Am Brunnen finden sich zudem Kränze, Füllhörner und Muscheln als Pfeilerabschluss sowie ein Pumpschwengel, der Wasser dem Brunnen zuführen sollte. Am oberen Ende wurde der Namensgeber platziert. Dieser Brunnen ist der beste Beweis, dass es sich lohnt, stets mit offenen Augen und einer gewissen Neugierde durch Köln zu gehen.

Kölner Westen

Brunnen „Treuer Husar“ (Am Rosengarten 52-58)

Köln ist reich an schönen und historischen Brunnen, die jede Menge Geschichten erzählen könnten. Auch in Bickendorf gibt es einen Brunnen, der wohl so einige Anekdötchen auf Lager hätte. Das Besondere an dieser Wasseranlage, die die GAG nach der Errichtung der benachbarten Wohnsiedlungen im Jahre 1928 errichten ließ, ist die Figur am oberen Ende. Sie zeigt einen „treuen Husar“ mit Ziehharmonika und soll symbolisch den lebenslustigen Bickendorfer darstellen. Erbaut von Bildhauer Willy Meller, bestand der Brunnen ursprünglich aus grünem Kunststein. Nun besteht er aus Muschelkalk, da 1979 ein Abguss des Originals erstellt wurde. Der Brunnen weist einen viereckigen Trog auf, der das Wasser aufnehmen soll. Vorne ist ein weiteres kleines, flaches, halbrundes Becken vorgelagert. An der Seite ist eine Plakette angebracht, die nähere Erläuterungen enthält. Wie so manche Veedelskneipe gehört dieser Brunnen, der seit 1992 zudem denkmalgeschützt ist, unbedingt zu Bickendorf und ist ein wertvoller Teil seiner Historie.

Kölner Westen

Tor mit Goldenem Stein (Akazienweg)

Kennen Sie das auch? Tagtäglich nutzt man die gleiche Haltestelle, doch nimmt die Besonderheit der Zu- und Ausstiegsstelle gar nicht mehr wahr. So ähnlich geht es vielleicht Personen an der U-Bahn-Haltestelle „Akazienweg“, deren Eingang auf der Venloer Straße ein Torbogen mit einem großen, goldfarbenen Stein, gestaltet von Künstler Heinz Brummack, bildet. Zwei Texte befinden sich auf dem Bogen – zum einen „IANVA IVDICII“ (Tor der Gesetzmäßigkeit) und zum anderen „VIATORI ILLEGALI“ (dem unrechtmäßig Reisenden). Kunstfreunde und Bürger mutmaßen, dass der Stein den Fahrgast vor der Tat des Schwarzfahrens abhalten soll – sozusagen als Symbol einer drohenden Bestrafung. Zusätzlich hat Walter Kremp, ehemals Schulleiter der katholischen Grundschule Erlenweg, an einem Haus unmittelbar neben dem Tor mit einer Schulklasse in einer Aktion eine Tafel angebracht, die den Sinn des Kunstobjekts auch nochmal erklärt.