Sehenswert

SEHENS-WERT & SEHENS-WÜRDIG IM KÖLNER SÜDEN

>> Beides liegt im Auge des Betrachters. Wir stellen vor, geben Anregungen und versuchen zu verführen – zu einem Spaziergang mit Friends & Family oder zu stiller Betrachtung.

Drei Stolpersteine zum Gedenken

An 14 Orten wurden Mitte März in Köln insgesamt 39 neue Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt, drei davon in Rodenkirchen. Stolpersteine sind kleine Denkmale für Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus unterschiedlichen Gründen verfolgt wurden. Sie werden vor den ehemaligen Wohnhäusern verlegt, in denen die Menschen vor ihrer Flucht oder Verhaftung lebten. Damit erinnern sie individuell an das Schicksal der Verfolgten und werfen gleichzeitig Fragen nach Täter- und Mittäterschaft auf. In Rodenkirchen liegen zwei Stolpersteine jetzt sehr präsent an der Uferstraße 30 vor der backsteinroten Villa des Ehepaars Isay. Das schmiedeeiserne Tor trägt die Initialen „A&I“ für Adolf Isay. Hier wohnte er mit seiner Frau Theresia vor und nach dem zweiten Weltkrieg.

Theresia und Adolf Isay überlebten den Holocaust dank der Hilfe von Menschen, die sie versteckten, unterstützten und ihnen damit das Leben retteten. Theresia Isay kam 1880 in Wien in einer christlichen Familie als Theresia Liederer zur Welt. Adolf Isay, 1875 in Köln geboren, stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Kaufmannsfamilie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das „Geschäft für Trikot und Strumpfwaren der Brüder Isay“ 1933 in die „Wistri Gesellschaft für deutsche Wirk- und Strickwaren GmbH“ umgewandelt und wenig später unter Wert verkauft. Allein der Einsatz seiner Ehefrau bewahrte ihn vor einer Deportation in das Konzentrationslager Dachau. Nur wenige Tage später drohte man ihm mit der Enteignung seines Hauses in der Uferstraße. Er verkaufte das Gebäude daraufhin an seinen Neffen Franz Weiss, und das Ehepaar zog an den Bayenthalgürtel 43. Die letzten Monate bis zur Befreiung Kölns am 6. März 1945 verbrachten Adolf und Theresia Isay in getrennten Verstecken, sahen sich jedoch täglich. Nach Ende des Krieges zog das Ehepaar zurück in das Haus in Rodenkirchen. Theresia Isay starb am 10. September 1953, Adolf Isay am 14. Mai 1956.

Keine Verdichtung im Auenviertel in Rodenkirchen

Das Rodenkirchener Auenviertel ist mit seiner teilweise extravaganten Architektur und in seiner durchgrünten Geschlossenheit ein außergewöhnliches und in Köln nahezu einzigartiges Wohn-Quartier. Der Gang durch die stillen Straßen des Viertels wird immer wieder neu belohnt durch den Blick auf ein architektonisches Highlight oder in einen verwunschenen Garten. Seit geraumer Zeit beobachtet die Bürgervereinigung Rodenkirchen mit großer Sorge, dass das historisch gewachsene Wohnbauviertel durch die zunehmende Teilung von Grundstücken einem Wandel unterliegt. Diese schleichende städtebauliche Verdichtung des gewachsenen Wohn-Quartiers zwischen Barbarastraße und Grüngürtel, Weißer Straße und Uferstraße drohte, das erhaltenswerte & historisch wertvolle Ambiente des Auenviertels zu zerstören. Die Bürgervereinigung Rodenkirchen hat sich in besonderem Maße für die Erhaltung der Wohn- und Lebensqualität ihres Ortes engagiert: Das komplette Auenviertel muss sein einmaliges Flair behalten, es darf nicht durch Teilung der Grundstücke zugebaut werden! Deshalb ist die Bürgervereinigung Rodenkirchen erfreut, dass die Stadtverwaltung einen neuen Bebauungsplan entworfen hat, der hilft, die Nachverdichtung durch Teilung großer Grundstücke und Hinterland-Bebauung zu verhindern und dadurch die besondere Struktur des Auenviertels zu erhalten.